Würde es doch genügen.

Es genügt nicht.

Jeden Tag rennen bis es nach Blut und Galle schmeckt, so weit die Beine tragen und noch ein Stückchen weiter.
Nicht weil es schön ist. Es ist nicht schön.

Schön ist es, wenn man sich über zwei Stunden hinweg müde schaukelt und beim Dahinhopsen vergisst, was man gerade tut. Wenn man dabei über einen Podcast lachen oder sich empören kann, schön ist es, wenn die Abenddämmerung sich über die Felder legt und in das Grau Schwärme schwazer Vögel hinaufflackern.
Dass es schön ist, spüre ich daran, dass ich meine Arme ausstrecke, oder mich bemühen muss, sie nicht auszustrecken, um den Luftzug zwischen den Fingern hindurchfahren zu spüren, um die schwarzen Vogelpartikel-Wolken zu modellieren und in die Arme zu schließen. Wenn es schön ist, raufe ich mir die verschwitzten Haare und habe das Bedürfnis mir die Kleider vom Leib zu reißen. Dann ist es schön.

Leider ist es das im Moment nicht.
Es ist jetzt mehr so zentnerschwere Beine Schritt um Schritt nach vorne hieven. Mehr so Abgelenktsein und Seitenstiche, die man nicht wegbekommt. Mehr so unendlich schwach und traurig. Es ist so “durch-ein-Tuch-Atmen” und geht und geht nicht weg. Eine Festung aus Farblos-Tagen und weit und breit keine Posaunen verfügbar.

Viel Schlimmer und bedrohlich ist aber die große Wut in mir und dass sie zum ersten Mal durch den exzessiven Sport nicht vergeht. Keine Energie zu haben ist der einzige Schutz vor mir selbst. Und vielleicht ist auch dieses Stickig-Traurige in mir ein Schutz vor der irren Zerstörungswut. Da ich keine anderen Strategien habe, wünsche ich mir, es möge genügen sich bis an die Schmerzgrenze und ein bisschen darüber hinaus zu verausgaben. Aber diese Rechnung scheint erstmals nicht aufzugehen.


Über diesen Eintrag