Email-Freundschaften

Es gibt Nachrichten, die machen einen eine Weile zu einem verwirrten Emomäuschen. Brieffreundschaften ermöglichen einen aufrichtigen und authetischen Kontakt, ohne dass man sich (bei aller Sympathie) treffen wird. Man muss nicht sagen: Das und das Detail ist ein Problem für mich.

Vor solchem Kontakt musst du dich im Zweifelsfall nicht schützen, denn es sind lediglich Zeilen, die aufeinander prallen und zerschellen. Es sind nur digitale Abbilder handschriftlicher Mitteilungen, die sich da irgendwo im Netz gegenüber stehen.

Einmal zerfallen sie zu glimmender, stinkender Asche, ein anderes Mal steigen sie als schillernde Seifenblasen auf. Einmal ein flüchtiger Kuss auf der Stirn und ein anderes Mal – so wie heute – ein Tritt in den Magen, dass du glaubst, Blut speien zu müssen. Einmal Erdbeersorbet und Waschmittelfrische, ein anderes Mal ekelhafte Eisbeinschwabbelkruste und nach Körpersäften stinkende Fetzen. “Tanzende Elektrobriefe” nannte er sie; ich aber sage, dass so eine Elektronachricht durchaus durch meinen Stuhl fahren und ihn zu einem Hinrichtungsgegenstand werden lassen kann.


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